Leitfaden · Digitaler Produktpass

Digitaler Produktpass (DPP): was er ist, wie er funktioniert und ab wann er Pflicht wird

Der Digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) ist der digitale Ausweis eines Produkts: ein Datensatz zu Herkunft, Materialien, Umweltwirkung, Reparatur und Lebensende, abrufbar über einen QR-Code oder NFC-Tag am Produkt. Er wird durch die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR (2024/1781) eingeführt und Produktgruppe für Produktgruppe verpflichtend; die erste gesetzlich festgelegte Pflicht ist der Battery Passport ab dem 18. Februar 2027.

Aktualisiert am

Auf einen Blick

  • Rechtsgrundlage: ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781, in Kraft seit dem 18. Juli 2024; für Batterien die Verordnung (EU) 2023/1542.
  • Inhalt: Daten, die der delegierte Rechtsakt jeder Produktgruppe festlegt, etwa Zusammensetzung, Stoffe, Rezyklatanteil, Umweltfußabdruck, Reparierbarkeit und Hinweise zum Lebensende.
  • Abruf: ein Datenträger am Produkt (QR-Code, NFC oder RFID), verknüpft mit einer eindeutigen Kennung.
  • Wann: Batterien ab dem 18. Februar 2027; andere Gruppen in der Regel 18 Monate nach ihrem delegierten Rechtsakt (Eisen und Stahl erwartet 2026, Textilien 2027).
  • Wer: wer das Produkt in der EU in Verkehr bringt — Hersteller, Importeur oder Bevollmächtigter.

Was ein Digitaler Produktpass enthält

Den genauen Inhalt legt der delegierte Rechtsakt jeder Produktgruppe fest. Diese Informationsbereiche kehren immer wieder:

Informationsbereich Beispieldaten
Produktidentität Eindeutige Kennung, Modell, Charge oder Seriennummer, Hersteller, Produktionsort
Materialien und Zusammensetzung Rohstoffe, besorgniserregende Stoffe, Rezyklatanteil, Zertifizierungen
Umweltwirkung CO₂-Fußabdruck, Umweltfußabdruck, Daten aus der Ökobilanz
Nutzung und Haltbarkeit Gebrauchs- und Pflegehinweise, Haltbarkeit, Leistung
Reparatur Reparierbarkeitsindex, Ersatzteilverfügbarkeit, Demontageanleitung
Lebensende Hinweise zu Sammlung, Recycling und Entsorgung
Konformität Konformitätserklärungen, technische Dokumentation, Zolltarifnummern

Über die Pflichtdaten hinaus ergänzen viele Marken freiwillige Informationen: Produktgeschichte, Garantie, Eigentümerwechsel, After-Sales-Services.

So funktioniert er

Ein ESPR-konformer DPP beruht auf fünf technischen Elementen.

  1. 01

    Eindeutige Kennung

    Jeder Pass ist mit einer eindeutigen Produktkennung verknüpft — je nach delegiertem Rechtsakt auf Modell-, Chargen- oder Artikelebene.

  2. 02

    Datenträger

    Ein QR-Code, NFC-Tag oder RFID auf Produkt, Verpackung oder Dokumentation führt mit einem Scan zum Pass.

  3. 03

    Daten beim Wirtschaftsakteur

    Die Daten bleiben bei dem, der das Produkt in Verkehr bringt, oder bei einem von ihm beauftragten DPP-Dienstleister, in offenen und interoperablen Formaten.

  4. 04

    Abgestufter Zugriff

    Manche Informationen sind für Verbraucher öffentlich und kostenlos; andere sind Behörden, Reparaturbetrieben oder Recyclern vorbehalten.

  5. 05

    EU-Register

    Die Kennungen der Pässe werden im EU-Register für Produktpässe erfasst, das seit dem 20. Juli 2026 aktiv ist. Das Register speichert Kennungen, nicht die vollständigen Daten.

Leitfaden zum EU-Register für Produktpässe →

Ab wann er Pflicht wird

Es gibt kein einheitliches Datum: Die Pflicht gilt für jede Produktgruppe über einen eigenen Rechtsakt. Der heute bekannte Zeitplan:

ProduktgruppeDatumStatus
Batterien für E-Fahrzeuge, LMT (E-Bikes, E-Scooter) und Industriebatterien über 2 kWh 18. Februar 2027 Pflicht nach VO (EU) 2023/1542
Eisen und Stahl 2026 Delegierter ESPR-Rechtsakt erwartet
Textilien und Bekleidung 2027 Delegierter ESPR-Rechtsakt erwartet
Reifen 2027 Delegierter ESPR-Rechtsakt erwartet
Möbel 2028 Delegierter ESPR-Rechtsakt erwartet
Aluminium 2028 Delegierter ESPR-Rechtsakt erwartet
Matratzen 2029 Delegierter ESPR-Rechtsakt erwartet

Bei ESPR-Gruppen ist das Datum der laut Arbeitsplan 2025–2030 erwartete delegierte Rechtsakt; die Pflichten gelten in der Regel 18 Monate später. Nicht erfasste Produkte wie Lebensmittel oder Lederwaren können den DPP freiwillig einführen.

Vollständiger ESPR-Leitfaden → Leitfaden zum Battery Passport →

Wer betroffen ist und welche Risiken bestehen

Die Pflicht trifft den, der das Produkt in der EU in Verkehr bringt: den Hersteller, den Importeur bei Herstellern außerhalb der EU oder den Bevollmächtigten. Händler müssen sicherstellen, dass der Pass zugänglich bleibt.

Wo ein DPP vorgeschrieben ist, darf ein Produkt ohne Pass nicht auf den EU-Markt gebracht werden. Die Sanktionen legen die Mitgliedstaaten fest.

Technische Normen

Die europäischen technischen Normen für den DPP (Kennungen, Datenträger, Interoperabilität, Zugriff und Sicherheit) erarbeiten CEN und CENELEC im gemeinsamen Komitee JTC 24 im Auftrag der Kommission. Sie sind freiwillig, begründen aber nach Veröffentlichung im Amtsblatt der EU die Vermutung der Konformität mit der ESPR.

Einen DPP in fünf Schritten einführen

  1. 1

    Pflichten prüfen

    Klären Sie, ob Ihre Produktgruppe einen delegierten Rechtsakt hat und ab wann er gilt.

  2. 2

    Daten erfassen

    Listen Sie die erforderlichen Daten auf und wo sie heute liegen: ERP, PLM, Lieferanten, Zertifikate.

  3. 3

    Lieferkettendaten sammeln

    Oft der längste Teil: Sie brauchen Lieferantendaten zu Materialien und Prozessen.

  4. 4

    Datenträger und Plattform wählen

    QR-Code oder NFC; Modell-, Chargen- oder Artikelebene; und eine Plattform, die die Pässe hostet und im EU-Register erfasst.

  5. 5

    Veröffentlichen und pflegen

    Der Pass muss über den gesamten Lebenszyklus aktuell bleiben, auch nach dem Verkauf.

Braucht man eine Blockchain?

Nein, die ESPR schreibt keine bestimmte Technologie vor. Die Blockchain ist eine zusätzliche Wahl: Sie macht Daten für jeden überprüfbar und nachträglich unveränderbar — nützlich gegen Fälschungen und um nachzuweisen, was wann angegeben wurde. MyLime nutzt sie dafür und schreibt nur kryptografische Hashes, nie personenbezogene Daten, auf die öffentliche Blockchain.

Beispiele aus der Praxis

  • Colnago

    Jedes C68-Rad hat seinen eigenen Digitalen Produktpass mit einem im Rahmen integrierten NFC-Tag. Über das Retrofit-Programm lassen sich auch bereits verkaufte Rahmen zertifizieren.

  • 3T

    Der DPP verfolgt jede hochwertige Fahrradkomponente von der Produktion bis zum Endkunden.

  • Paoletti Guitars

    Der digitale Pass bestätigt Herkunft, Materialien und den Handwerker hinter jeder handgefertigten Gitarre.

Häufige Fragen zum Digitalen Produktpass

Ist der Digitale Produktpass schon Pflicht?

Noch nicht, abgesehen von Sonderfällen. Die erste gesetzlich festgelegte Pflicht ist der Battery Passport ab dem 18. Februar 2027. Für andere Produkte beginnt die Pflicht mit dem delegierten ESPR-Rechtsakt der Produktgruppe, in der Regel 18 Monate nach dessen Annahme.

Was ist der Unterschied zwischen DPP und Battery Passport?

Der Battery Passport ist der Digitale Produktpass für Batterien nach der Batterieverordnung (EU) 2023/1542. Der DPP allgemein ist in der ESPR für die übrigen Produktgruppen vorgesehen.

Ersetzt der DPP das Produktetikett?

Nein. Er ergänzt die Pflichtetiketten und macht deutlich mehr Informationen digital verfügbar, die sich im Lauf der Zeit aktualisieren lassen.

Wie lange dauert die Einführung eines DPP?

Das hängt davon ab, wie verfügbar Ihre Daten sind. Mit MyLime dauert der Weg vom Vertrag bis zum Go-live typischerweise 10–12 Wochen; ein Pilot für eine Produktlinie geht schneller.

Alle häufigen Fragen →

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